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In großen Gemeinden unserer Diözese
vollzieht der Bischof während der Großen Fastenzeit an den
orthodoxen Christen, die in dieser Fastenzeit die Beichte abgelegt und die
heilige Kommunion empfangen haben, das heilige Sakrament der Ölweihe.
Der Vollzug der Ölweihe am Großen Donnerstag nicht nur an
Kranken, sondern auch an körperlich Gesunden stellt eine
althergebrachte Tradition der Orthodoxen Kirche dar. In unserer Diözese
wird die Ordnung der heiligen Ölung entsprechend der Abfolge
vollzogen, die in der Entschlafens-Kathedrale in Moskau üblich war,
d.h. zunächst wird die gesamte Gebetsordnung durchgeführt und
sodann zum Abschluß des Ritus die Salbung mit dem geweihten Öl.
Die Redaktion hielt es für angemessen, in dieser Ausgabe unserer
Zeitschrift Auszüge aus dem Buch des Erzbischofs Benjamin “Novaja
Skri¡zalj” abzudrucken, in denen Erklärungen und
patristische Auslegungen einiger wichtiger Momente der Ölweihe
enthalten sind. Wir tun dies in der Hoffnung, daß fromme Überlegungen
zum tiefen Sinn dieses von Gott eingesetzten Mysteriums unseren
Lesern dabei helfen, sich rechtzeitig auf seinen Empfang vorzubereiten. Die Redaktion.
Die Krankenölung ist ein Sakrament
In dieser Abfolge der heiligen Ölung ist das
siebte Sakrament - die Krankenölung - enthalten. Das Öl wird
deshalb heilig genannt, weil es durch den kirchlichen Segen geheiligt
wurde. Darüber sagt Simeon von Saloniki (im Kap. 40): "Das
heilige Öl wurde uns überliefert als ein geheiligtes Sakrament
und als eine Form der Göttlichen Barmherzigkeit, die den Empfängern
gereicht wird zur Erlösung und Reinigung von den Sünden; deshalb
entbindet dieses Sakrament von den Sünden, richtet von den Krankheiten
auf und bewirkt die Heiligung. All dies wurde uns von unserem Gott Jesus
Christus und durch Ihn von Seinen göttlichen Jüngern und Aposteln
gegeben"
Es wird von sieben Priestern vollzogen
Das Sakrament der Krankenölung wird von sieben
Priestern ausgeführt. Simeon von Saloniki schreibt (im Kap. 283): "Der
Bruder des Herrn legte keine genaue Zahl von Presbytern für den
Vollzug dieses Sakramentes fest (Jak 5,14), aber dem überlieferten
Gebrauch zufolge werden sieben gerufen – ich denke wohl in Übereinstimmung
mit der Siebenzahl an Geistesgaben, die bei Jesaja aufgezählt sind.
Oder entsprechend jenen sieben alttestamentlichen Priestern, die auf das
Geheiß Gottes siebenmal mit Posaunen um die Mauern von Jericho
herumgingen und sie zerstörten. Oder damit die Priester (in Nachahmung
des Propheten über dem Kind der Sunamitin) siebenmal um die Seele des
Sterbenden beten und sie wieder zum Leben zu erwecken, so wie Elissäus
den Knaben auferweckte, indem er sich siebenmal über ihn beugte und
siebenmal betete. Oder damit sie wie Elias, welcher nach siebenmaligem
Beten den Himmel wieder auftat, der wegen der Sünden verschlossen war,
und Regen herabholte, die Dürre der Sünden aufheben, oder Petrus
gleichsam den Himmel öffnen und mit dem Schlüssel der Gnade wie
Regen die Gnade der Vergebung von Gott herabführen.
Solches ist meiner Meinung nach der Sinn der
Siebenzahl an Priestern. Aber einige rufen, wenn keine sieben vorhanden
sind, im ganzen nur drei. Und das ist nicht ungebührlich wegen der
Kraft der Dreieinigkeit, und auch in Erinnerung an das Zeugnis und die Verkündigung
der Dreieinigkeit, die einst durch Elias erfolgte, als er den gestorbenen
Sohn der Frau von Sarepta auferweckte, nachdem er dreimal gebetet und sich
dreimal über ihn ausgestreckt hatte. Manche versammeln auch mehr
als sieben Priester zum Ausdruck ihres größeren Glaubens und
Eifers.
Übrigens braucht man nicht besonders über
die Anzahl der Priester nachzuforschen, weil sie beim Apostel nicht
definiert ist. Andererseits ist es, obwohl sie nicht schriftlich festgelegt
wurde, nicht weniger wichtig, die alte Überlieferung zu beachten, der
zufolge es sieben sein müssen, wie es der uralte Brauch fordert, und im
Notfall nicht weniger als drei, aber alles muß ausgeführt
werden, was zu tun geboten ist". Wenn daher die uns bekannte Anzahl
von Priestern zur Vollziehung dieses Sakramentes nicht zur Verfügung
steht und im äußersten Notfall nur ein Priester da ist, so
vollzieht er es doch durch die Kraft der ganzen Kirche, deren Diener er
ist, die er repräsentiert und in sich verkörpert: Denn ein
Priester schließt die ganze Gewalt der Kirche in sich ein.
Der rote Wein mit Öl und sieben Kerzen
Das Öl wird hier als ein Symbol der
Barmherzigkeit Christi verwendet, und der Wein zum
Zeichen Seines Blutes, das am Kreuz vergossen wurde. Simeon von Saloniki
sagt (im Kap. 288) hierzu: "Und Öl wird in die Lampada oder in
irgend ein anderes Gefäß gegossen, über dem sieben Kerzen
gemäß der Zahl von sieben Priestern angezündet werden und
zum Zeichen der Gaben des Heiligen Geistes, sowie zum Zeichen dessen, daß
mittels des heiligen Öls gleichsam die Göttliche Heiligung
erfolgt, und daß Gott ein ganzes und ein reines Opfer dargebracht
wird, damit wir fähig werden, Seine Gnade zu empfangen. Einhergehend
damit versinnbildlicht es für uns auch die Heilung des Leibes des
unter die Räuber Gefallenen (Lk, Kap. 10), zu welchem Ein Samariter
hinging – Welcher der aus der Jungfrau Maria geborene Jesus ist –
und Öl und Wein auf seine Wunden goß, d.h. ihn durch Sein Blut
und Seine Barmherzigkeit heilte. Daher gießen einige den Wein vor dem
Öl in das Gefäß"
Das geweihte Öl ist sehr mächtig
Im heiligen Myron ist das Öl einer von vielen
Bestandteilen, aber bei der Krankenölung stellt es die Hauptsubstanz
des Sakraments dar. Deshalb erbittet der Priester bei seiner Weihe durch
das Gebet Heilige dieses Öl die Gnade des Herrn. Obwohl die Kirche in ihren
Sakramenten einfache Substanzen verwendet, wie Wasser, Öl und Myron,
erhalten sie mittels der Weihe durch das priesterliche Gebet die Kraft der
Gnade und werden sehr wirksam. So sagt Simeon von Saloniki (im Kap. 291); "Ich
weiß, wie viele ungeheuer große Göttliche Gaben das
heilige Öl in sich schließt: in ihm ist die Errettung von
Krankheiten, der Nachlaß der Sünden, und es schenkt Heiligung, Göttliche
Stärkung und führt schließlich in das himmlische Königreich.
Von den Wohlgesinnten möge keiner sprechen: 'Das ist nur Öl, was
kann ein aus einer Ölpflanze gewonnenes Material schon ausrichten?'
Obwohl einfach, ist es doch von Gnade erfüllt
durch die Anrufung des Namens Gottes über ihm: Denn wo Gott angerufen
wird, dort ist alles Göttlich und alles hat die Kraft Gottes. Die
Priester sind göttliche Personen, welche durch die Handauflegung die
Kraft Gottes erhielten; deshalb ist uns das Öl, das von den Priestern
mittels der Anrufung Gottes geweiht wurde, göttlich und heilig, und
von der Göttlichen Gnade des Heiligen Geistes erfüllt. Ähnlich
wie auch das Taufwasser: Obwohl nur Wasser, ist es dennoch von Geist erfüllt,
der die Seele reinigt, den Menschen aufbaut, ihn zum Kind Gottes werden läßt
und ihn sündlos macht. Dem gewöhnlichen Wasser ist eigen, daß
es körperliche Verschmutzungen reinigt und den Durst stillt; während
es dem heiligen Wasser eigen ist, gleichzeitig mit dem Leib auch die Seele
zu läutern, zu heiligen, neu zu schaffen, geistlich zu bewässern
und zum Kind Gottes zu machen. In ähnlicher Weise strömt jedes
gewöhnliche Myron nur Duft aus und erquickt die Sinne desjenigen, der
es in Händen hält oder sich damit einreibt; aber das heilige
Myron atmet Göttliches Leben, belebt uns besonders, erneuert uns im
Geist, erfüllt uns mit dem Wohlgeruch Seiner Gaben und schenkt das
Siegel und den Odem der Gnade – nicht als einfaches Myron, sondern
als heiliges Myron, das die Gnade des Heiligen Geistes besitzt, nachdem es
geweiht wurde. So ist auch dieses Öl, das durch den Vollzug der
heiligen Handlung geweiht wurde, ein heiliges und von Göttlicher Kraft
erfülltes Öl".
Das Evangelium wird auf das Haupt des Kranken gelegt
Das heilige Evangelium wird aufgeschlagen und mit der
Schriftseite auf das Haupt des Kranken gelegt, indem es von allen Priestern
gehalten wird.
Hier sind zwei Handlungen bemerkenswert: Erstens wird
das heilige Evangelium mit der Schrift nach unten auf das Haupt des Kranken
gelegt, und zweitens halten alle Priester dieses heilige Evangelium, d.h.
sie legen ihre Hände an es.
Mit der ersten Handlung ahmt die Kirche das Beispiel
des Propheten Elisäus nach, der bei der Auferweckung des Sohnes der
Sunamitin zuerst seinen Stab schickte (2. Kön. 4). Des weiteren
bezeugt sie: So wie Jesus Christus bei der Heilung der Kranken viele Wunder
vollbrachte, die im Evangelium beschrieben sind, um den Glauben der
Anwesenden zu stärken, sie zu ermuntern und ihnen Achtung für
Seine Worte einzugeben, wird auch hier das Evangelium als von denselben
Wundern erfüllt dem Kranken aufgelegt in der Hoffnung, daß auch
er eine ähnliche Heilung an Leib und Seele erfahren möge. Was die
zweite Handlung betrifft,
Die Hände werden auf das Evangelium gelegt
So wie Christus den Kranken Seine allmächtige
Hand auflegte, wie es im Evangelium, das von Seinen Wundertaten kündet,
steht: So legen auch hier die Priester im Angesicht eben dieses Heilands,
als Seine Diener ihre Hände auf das Evangelium oder halten es in ihren
Händen. Und so wie Christus die Sünden der betenden Kranken
reinigte und ihnen Verzeihung schenkte, so wird auch hier durch die
Auflegung der Hände, als Zeichen der Versöhnung, eben diese
Vergebung der Sünden veranschaulicht. Denn dieses Sakrament stellt
eine Form der Reue dar, ebenso wie die eigentliche Auflegung der Hände
ein Zeichen der Versöhnung ist. Außerdem regt schon der Akt der
Salbung an sich den Kranken zur Reue an. In eben diesem Sinne werden diese
zwei Handlungen auch von Simeon von Saloniki (im Kap. 290) beschrieben: "Indem
der Priester die Hand auf das Haupt des Reumütigen legt, spricht er
ein Gebet und zeigt dadurch, daß er eine heilende Handlung vollzieht
in Nachahmung des Herrn, Welcher den Gebrechlichen die Hände auflegte
und sie durch Berührung heilte, und daß er, der selbst durch
Handauflegung geweiht wurde und durch Auflegung der Hände sein
Priesteramt versieht, die Gläubigen mittels dieser sichtbaren Handlung
durch die Gnade Gottes reinigt und heiligt".
Mit lauter Stimme sprechen wir das Gebet: Heiliger König!
Obwohl dieses Gebet Heiliger
König als das abschließende von
einem Priester ausgesprochen wird, nehmen an ihm doch alle Priester
innerlichen Anteil; und dazu halten sie alle bei diesem Gebet das hl.
Evangelium in ihren Händen, welches mit der Schrift zum Haupt des
Kranken gewandt ist. Simeon von Saloniki spricht (im Kap. 290): "Nach
Beendigung alles Üblichen (das heißt der ganzen Abfolge der
Krankenölung) liest der erste Priester das abschließende Gebet
der Vergebung über dem Haupt des Empfängers des Sakramentes;
gleichzeitig berühren alle übrigen Priester, die mit ihm
zelebrieren und mit ihm beten, mit ihren Händen das Haupt dessen, der
die Vergebung erhält".
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