PREDIGT  
Bischof Agapit  

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!

Noch vor kurzem stand im Zentrum New Yorks ein Gebäude – ein Musterbeispiel der Macht im heutigen Verständnis, ein Symbol des Mammon. Einige verzweifelte arabische Studenten, die daran Anstoß nahmen, zerstörten dieses Symbol, sie zerstörten es um den Preis ihres eigenen Lebens, denn sie hofften ihrer Auffassung nach, auf diese Weise das Paradies, das Reich Gottes zu gewinnen. Im Zentrum Manhattans, an einer Straße, von der sogar Teenager wissen, daß man dort am besten in Immobilien handelt, steht ein anderes Haus – ein Symbol eines vornehmen Herrn, ein Symbol eines Hausherrn... Dieses Gebäude zählt acht Etagen (fünf über der Erde und drei unter der Erde) und besteht aus zwei Flügeln, die durch einen großen Saal miteinander verbunden sind und in dem früher Bälle stattfanden. Heute befindet sich in diesem Saal unsere Synodalkirche im Namen der wundertätigen Ikone der Allerheiligsten Gottesgebärerin von der Wurzel von Kursk. Dieses Haus beherbergt die Synodalverwaltung unserer Kirche.

Der Eingang zu dem Gebäude ist mit Marmor verkleidet. Im ersten Stock links befinden sich zwei große Säle, in denen heute die Kirche des hl. Sergij von Radone¡z untergebracht ist. Dort legten in früheren Zeiten die Gäste ihre Garderobe ab und begaben sich dann in den zweiten Stock, der gänzlich von zwei großen Sälen eingenommen wird, wo wahrscheinlich irgend welche Feste stattfanden, ein Büffet stand und die Leute sich miteinander unterhielten... Und von diesem Stockwerk konnte man in den Ballsaal hinübergehen, wo die Feste gefeiert wurden, wo getanzt wurde... Noch eine Etage darüber befanden sich die Gemächer des Hausherrn. Auf eben diesem Stockwerk gelangt man durch einen Korridor in ein großes Zimmer, das mit Holz getäfelt ist: wahrscheinlich befand sich hier die Kanzlei. Heute tagt dort normalerweise das Bischofskonzil, wenn es alle zwei Jahre zusammentritt. Und noch eine Etage höher sind drei Apartments, drei Wohnungen, aller Wahrscheinlichkeit nach für die Ehrengäste. Sogar das oberste Stockwerk weist gute Zimmer auf, die wohl für die Dienerschaft bestimmt waren.

Das ganze Gebäude verkörpert die Denkweise des Hausherrn, der es für seine Familie, um seines guten Namens willen baute, der liebenswürdig Gäste empfing und große Feste feierte – mit allen Schattierungen jedes nur möglichen Luxus. Um zu begreifen, wie geräumig und üppig dieses Gebäude angelegt ist, muß man drei Etagen hinuntersteigen. Im ersten Stockwerk unter der Erde befand sich die Küche, im zweiten die Vorratslager und im dritten ein Anschluß an das Schienennetz, so daß bei jedem Wetter Lebensmittel und alles sonst für dieses Haus Notwendige abtransportiert werden konnten, und auf eben diesem Wege auch die Abfälle, Überreste und der Müll weggebracht werden konnten. Dieses luxuriöse Haus war für eine Familie berechnet.

Es mag scheinen, daß dieses Haus im Zentrum New Yorks nur wenig Platz einnimmt, wenn man vergleicht, wie sich ringsherum die ebenfalls aus Backstein erbauten Wolkenkratzer erheben, aber gerade durch die Außerordentlichkeit seiner Erscheinung und seiner Ausmaße unterscheidet sich unser Haus von seiner Umgebung, hebt es sich von ihr ab.

Das Haus gehörte einem russischen Adeligen, der nach der Revolution einige Zeit in Serbien lebte und bei dem zweiten Ersthierarchen der Russischen Auslandskirche, dem Seligsten Metropoliten Anastasij, Hypodiakon war. Gebaut wurde es in den dreißiger Jahren, und man kann voraussetzen, daß der Lebensstil, der Zweck, der in ihm verkörpert war, in Amerika kein Ambiente fanden, welches alles das, was dieser russische Adelige in es hineinlegte, ausleben und schätzen konnte. Wahrscheinlich gab es nicht genügend vornehme, elegante und festliche Gäste, die in ihren Gesprächen, ihrer Geselligkeit, ihren Tänzen und musikalischen Darbietungen das Niveau aufrechterhalten konnten, welches der Hausherr erwartete.

Nach dem Krieg, als sich ein Strom russischer Emigranten über den Ozean nach Amerika ergoß – lauter Arme, Heimatlose, Mittellose –, stellte dieser großzügige Reiche sein Haus der Verwaltung der Russischen Auslandskirche für kirchliche Zwecke zur Verfügung.

Wir feiern heute zusammen den Sonntag der heiligen Vorväter. Da er eine Woche vor dem großen Ereignis der Geburt Christi liegt, gedenkt die heilige Kirche an diesem den heiligen Vorvätern geweihten Tag unbedingt und immer der Vorfahren Christi dem Fleische nach, angefangen von Adam. Zu diesem Tag gehört auch die Evangeliumslesung, die wir heute hörten: über einen gewissen Hausherrn, der die Gäste zu einem großen Abendmahl einlud, aber alleine blieb, weil der eine einen Acker kaufte, der andere seine neuen Ochsen ausprobieren wollte, und ein dritter einfach geheiratet hatte und daher aus einem eigentlich ganz legalen Grund der Einladung des hohen Herrn nicht folgen konnte. Der hl. Apostel Lukas schildert bei der Anführung dieses Gleichnisses im Unterschied zu dem heiligen Apostel Matthäus die Situation, in der dieses Gleichnis vom Herrn erzählt wurde.

Das Haus des Bischofs-Synods

Es zeigt sich, daß unser Herr Jesus Christus von irgendeinem der Obersten der Pharisäer zum Essen eingeladen wurde. Als er sieht, wie sich die Gäste auf die vordersten Plätze drängen, statt die hintersten einzunehmen, prangert der Herr solch ein Benehmen an, weil es von Schamlosigkeit zeugt. Gleichzeitig belehrt er den Hausherrn, den hochrangigen Pharisäer, daß es im Hinblick auf den Erwerb des Himmelreiches vernünftiger wäre, wenn er die Armen, die Krüppel, die Lahmen, die Blinden einladen würde, weil sie ihm seine Gastfreundschaft nicht vergelten können, und er somit auf eine Belohnung im Königreich Gottes hoffen kann. Einer der mit zu Tische saß, rief aus: Selig ist, der das Brot isset im Reich Gottes! (Lk 14,15). Als Antwort hierauf erzählte unser Herr Jesus Christus eben dieses Gleichnis über die Geladenen und die Auserwählten, über das wir gerade sprachen und das wir heute in der Evangeliumslesung hörten.

Denken wir uns hinein in diese Lesung, wo die Rede ist von den Armen, den Schwachen, den Lahmen und Blinden, und ebenso in die Apostellesung, welche uns die hl. Kirche unbedingt am Tag der hll. Vorväter und unmittelbar vor der Geburt Christi vorlegt, die Lesung aus dem hl. Apostel Paulus an die Kolosser. Lenken wir unsere Aufmerksamkeit der Hauptaussage zu, die immer mit dem Fest der heiligen Vorväter verbunden ist und wo der Apostel alle aufruft, den neuen Menschen anzuziehen, der da erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Ebenbilde des, der ihn geschaffen hat; da ist nicht mehr Grieche, Jude, Beschnittener, Unbeschnittener, Nichtgrieche, Skythe, Knecht, Freier, sondern alles und in allen Christus (Kol 3,11).

Jetzt, wo wir uns dem Fest der Geburt Christi nähern, behalten wir im Auge, in welcher Behausung, unter welchen Umständen der Hausherr des Universums geboren wurde. Amen.

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